Programm Samstag

Samstag, 07.09.2024

09:15Keynote IV: Wie wollen wir in der Digitalität (nachhaltig) leben? Diskurslinien und pädagogische Umsetzungsszenarien
Prof. in Dr. in Nina Grünberger
10:15Pause
10:45Session III
(Wahl aus Panels und Workshops)
11:45Digitalität Hands-on und Mittagspause
13:15Postersession II
14:00Session IV
(Wahl aus Panels und Workshops)
15:00Kurze Pause
15:15Keynote V: Post-Digitalität und Soziale Arbeit. Eine praxisbezogene Spurensuche
Prof. Dr. Olivier Steiner
16:15Abschluss und Verabschiedung
16:30Kongressausklang beim Apéro Riche

Keynotes

Prof. in Dr. in Nina Grünberger (Technische Universität Darmstadt)

Wir leben heute in einer Welt, die von digitalen Technologien maßgeblich geprägt ist. Nahezu alle Alltags- und Berufskontexte sind in irgendeiner Form von digitalen Technologien beeinflusst. Das reicht von der Organisation des sozialen Zusammenlebens bis hin zu einem Spaziergang im Wald. Das wirft die grundsätzliche Frage danach auf, wie sich unsere Lebenswelt in der Digitalität heute darstellt und wie wir in dieser Lebenswelt aufwachsen und leben. Daraus ergeben sich weitreichende gesellschaftliche und individuelle Herausforderungen.

Daran schließt auch die Frage an, in welchem Verhältnis die Entwicklung und Nutzung digitaler Technologien mit einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft in globaler Perspektive steht. Und das wiederum führt uns zur drängenden Frage, wie wir gegenwärtig mit digitalen Technologien leben (wollen) und welche ‚Schienen‘ wir heute für die Weiterentwicklung digitaler Technologien legen, um die Zukunft nachkommender Generationen im Sinne eines breiten Verständnisses von nachhaltiger Entwicklung in der Digitalität zu sichern.

Die Keynote führt in Diskurslinien zum Verhältnis von Digitalität und nachhaltiger Entwicklung ein, stellt Umsetzungsszenarien für einen breiten pädagogisch-praktischen Kontext vor und lädt vor Ort zum Mitmachen ein.

Prof. Dr. Olivier Steiner (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)

Digitalität ist allgegenwärtig, die Durchdringung der menschlichen Alltagswelt und Kultur, des menschlichen Körpers und Bewusstseins durch digitale Technologien schreitet voran. Digitalität ist heute wie Luft und Wasser – erst die Absenz der Technologie macht uns deren Fehlen bewusst. Zugleich findet gegenwärtig vermehrt ein Suchen und Ringen nach dem „eigentlich Humanen“ statt – der Frage, was das Menschsein in einer umfassenden Kultur der Digitalität bedeutet. Diese Frage wird verschiedentlich unter dem Begriff der „Post-Digitalität“ diskutiert. Post-Digitalität kann die allgegenwärtige Kultur des Digitalen nicht überwinden aber neue Bezüge zum Analogen im Digitalen entdecken und entwickeln. Darin liegen Potenziale für die Soziale Arbeit. Soziale Arbeit ist im Kern auf das Menschsein bezogen, auf Beteiligung und Ermächtigung. Die Frage des Stellenwerts von digitalen Technologien für die Soziale Arbeit stellt sich damit auch als Herausforderung, Antworten darauf zu finden, was Post-Digitalität in der Sozialen Arbeit bedeuten kann. Die Keynote geht Spuren der Post-Digitalität nach und diskutiert Anknüpfungspunkte für die Praxis der Sozialen Arbeit.

Session III

Panels

Jonas Lutz (Bayerischer Jugendring K.d.ö.R.)

Zahlreiche Felder der Sozialen Arbeit werden zunehmend digitalisiert (vgl. Stüwe/Ermel 2019). So waren bspw. in der aufsuchenden Arbeit internetbezogene Angebote anfänglich eher konzeptionell angelegt, dann ergänzend zu den Vorort-Aktivitäten gedacht und heute wird die Frage diskutiert, ob sie ein eigenes Arbeitsfeld sind (vgl. Bollig/Keppeler 2015).

Der aufsuchende Ansatz der Mobilen Jugendarbeit wird bei dem Modellprojekt Digital Streetwork Bayern des Bayerischen Jugendringes (BJR) auf die Online-Bereiche jugendlicher Lebenswelten übertragen. Hierfür sind 14 Fachkräfte auf den zielgruppenrelevanten Plattformen wie TikTok und Instagram aktiv präsent und für die dortigen User:innen in ihrer professionellen Rolle deutlich erkennbar. Sie reagieren auf Beiträge, in denen individuelle Problemlagen veröffentlicht und so ggf. potenzielle Unterstützungsbedarfe signalisiert werden. Zusätzliche Aufmerksamkeit erreichen sie, indem sie sich in Online-Communitys einbringen und eigene Inhalte posten. Junge Menschen in belastenden Situationen können sie auch direkt kontaktieren (vgl. Erdmann/Brügge 2023).

Bis Dezember 2023 interagierten mehr als 10.000 junge Menschen mit den DSW-Fachkräften. Daraus resultierten über 5.000 Beratungsgespräche und in zirka 400 Fällen konnten Ratsuchende mit komplexen Problemlagen nachweislich an spezialisierte Stellen vermittelt und/oder weiterführende Hilfesysteme angebunden werden. In diesem Vortrag wird ein Einblick in die Konzeption, Methoden und fachlichen Standards des Modellprojektes gegeben.

Matthias Scheibe (Bezirksjugendring Oberfranken)

„Reddit“ ist derzeit eine der größten Informations- und Diskussions-Social-Media-Plattformen, vergleichbar mit Twitter/X. Die dort angemeldeten Mitglieder können Inhalte posten sowie themenspezifische Unterforen („Subreddits“) erstellen und moderieren (vgl. statista 2022).

Seit Projektbeginn arbeiten DSW-Fachkräfte auf dieser Plattform aufsuchend. Zunächst durch Schlagworteingabe mit anschließender Einschätzung der gefundenen Beiträge sowie ggf. einer fachlichen Reaktion auf diese. Im Februar 2023 veränderte sich dieses Vorgehen durch die Einführung eines automatisierten Filterprogramms. Dieses suchte in den ausgewählten Subreddits nach relevanten Begriffen und postete die Funde in einen speziell dafür eingerichteten und abgesicherten Bereich. Dies steigerte die Effizienz und löste die manuelle Suche ab (vgl. Scheibe, Röhrl, Petri i. E.).

In diesem Vortrag soll die Frage, ob hier vorrangig die Fachkraft oder das Programm aufsuchend arbeiteten durch eine Betrachtung aus der Perspektive der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) sinnvoll aufgelöst werden (vgl. Latour 2018), denn durch diese können u.a. die Verwobenheiten und gegenseitigen Beeinflussungen von menschlichen und technischen Entitäten in einem Netzwerk sichtbar gemacht und anschließend beschrieben werden (vgl. Latour 2022). Dieser Prozess wird in dem Vortrag dargestellt und kritisch diskutiert.

Fabian Beloch (Universität zu Köln)

Die Anforderungen und Veränderungen, die der digitale Wandel für die Gesamtgesellschaft bedeutet, wirken sich auch auf soziale Dienstleistungen aus. Als Antwort auf Digitalisierung und Digitalität sind die Informations- und Angebotsstrukturen der Wohlfahrtspflege in Bezug auf eine niedrigschwellige Zugänglich- und Nutzbarkeit für ihre Adressat:innen weiterzuentwickeln. Dabei müssen Gelingensbedingungen digitaler Teilhabe bzw. – ex negativo – Exklusionen durch digitale Ungleichheit in den Blick genommen werden.
Anhand praktischer Erfahrungen und begleitender Forschungsergebnisse des Modellprojektes Telefonzelle 4.0 reflektiert die Session Digitalisierungsprozesse sozialer Beratungsdienste im Spannungsfeld von Bedarfen ihrer Adressat:innen und professionellen Handlungsroutinen, Organisationslogiken und professionsethischen Fragestellungen.

Im Zentrum der wissenschaftlichen Begleitung des Modellprojektes Telefonzelle 4.0 steht die Frage nach den Gelingensbedingungen von Unterstützungsangeboten zur digitalen Teilhabe. Ziel der Erhebungen ist es, die Perspektive von Ratsuchenden, Ehrenamtlichen, Fachkräften und zuleitenden Einrichtungen sichtbar zu machen sowie relevante Dimensionen digitaler Ungleichheit zu rekonstruieren. Durch das Team der Universität zu Köln werden im Sinne eines multiperspektivischen Forschungsdesigns qualitative und quantitative Befragungen durchgeführt.

Vor der Implementierung der Angebote in der Praxis stand die Frage nach Unterstützungs-, Entwicklungs- und Qualifizierungsbedarfen von Ratsuchenden, Ehrenamtlichen und Fachkräften im Fokus. Mit einem Fragebogen wurden 165 Nutzer:innen von Beratungsdiensten befragt. Die Ehrenamtlichen wurden mittels Gruppeninterview und die Fachkräfte mittels Gruppendiskussion befragt, zur Auswertung wurde sich hier der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring bedient. Die Ergebnisse aus diesen Erhebungen werden im Einzelbeitrag vorgestellt und davon ausgehend praxisrelevante Fragen für die Umsetzung abgeleitet.

Jörg Moschner (SKM Köln – Sozialdienst Katholischer Männer e.V.), Hannah Lindner (Caritas Bonn)

Das Modellprojekt Telefonzelle 4.0 fokussiert zwei Dimensionen digitaler Ungleichheit: Zum einen ein mangelnder Zugang zu technischen Ressourcen, zum anderen ein Mangel an digitalen Kompetenzen. Im Rahmen dieses Projektes wird Adressat:innen der Sozialberatung ein Angebot zur digitalen Teilhabe gemacht: Ein sozialräumlich verankerter Ort, der Ratsuchenden einen bedarfsorientierten Zugang zu digitalen Mitteln der Information und Kommunikation sowie zur Wahrnehmung einer Online-Beratung durch Fachkräfte bietet. Metaphorisch knüpft die Telefonzelle 4.0 damit an die frühere Funktion der Telefonzellen an: Sicherung gesellschaftlicher Teilhabemöglichkeit durch öffentlichen Zugang zu Kommunikationsmitteln. Als Hilfe zur Selbsthilfe führen geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter:innen ratsuchende Menschen an digitale Formate und Prozesse heran und stehen ihnen begleitend zur Seite.

Gleichzeitig möchte das Projekt die zeitgemäßen Anforderungen an hybride soziale Beratungsarbeit beschreiben und erproben. Neben der technischen Ausstattung der Beratungsdienste mit geeigneter Hard- und Software sollen die Beratenden befähigt werden, analoge und digitale Kommunikationskanäle – abgestimmt auf Wünsche und Bedarfe der Ratsuchenden – zu kombinieren.

Die Telefonzelle 4.0 ist somit geeignet, verschiedene Aspekte Sozialer Arbeit im Kontext von Digitalisierung und Digitalität zu diskutieren: Die Herausforderung der sozialrechtlichen Struktur durch die Deterritorialisierung von Leistungserbringung und -zugang, ein zeitgemäßes Ehrenamtsmanagement, Digitalisierung als Organisationsentwicklungsaufgabe sowie die Stärkung von Autonomie im Kontext digital vermittelter Austauschprozesse.

Dr. Eike Rösch, Martina Gerngross (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)

Die Mediatisierung der Gesellschaft (Krotz) wie auch des Alltagshandelns (Stalder) bedingen bei den Subjekten veränderte Raumvorstellungen. Diese lassen sich mit relationalen Raumkonzepten fassen, womit Sozialräume als von den Subjekten im Alltagshandeln konstituiert verstanden werden können. Dabei werden Lebewesen und soziale Güter an Orten (an)geordnet (Löw), wobei alle Elemente, der Ort und die Relationen mediatisiert sein können (Brüggen/Müller/Rösch).
Professionelles Handeln mit einem sozialräumlichen Verständnis kann eine Sozialraumanalyse als Ausgangspunkt nehmen. Häufig beziehen sich methodische Herangehensweisen (etwa Deinet/Krisch) auf einen absolutistischen, dreidimensionalen Raumbegriff, was zumindest eine Anpassung für Sozialraumanalysen bedeutet, die eine relationale Raumvorstellung zu Grunde legen.
Im Projekt «e_space» entwickeln Fachpersonen aus der OKJA in der Deutschschweiz und der Romandie eigene Herangehensweisen an OKJA unter den Bedingungen der Digitalität. Dabei wird eine Sozialraumanalyse zum Ausgangspunkt für die neue/weiterentwickelte Angebote gemacht. Entsprechend wird auch eine relationale Raumvorstellung gewählt.
In diesem Zusammenhang haben die Beteiligten eine methodische Herangehensweise gewählt, die die veränderten Rahmenbedingungen berücksichtigt. Dabei haben sie sich an einer ethnografischen Methodologie orientiert. Im Beitrag werden die entsprechenden Überlegungen skizziert und vor allem die gewählte Herangehensweise dargestellt und Praxiserfahrungen durch beteiligte Jugendarbeiter:innen reflektiert. Fachpersonen erfahren im Beitrag, wie sie in ihrem Umfeld eine Sozialraumanalyse durchführen können, die den Bedingungen der Digitalität und von verbreiteten relationalen Raumvorstellungen gerecht wird.

Prof. Dr. Katrin Sen, Prof. Dr. Holger Spieckermann (IU Internationale Hochschule)

Vermehrt wird postuliert, die Gesellschaft zeichne sich durch Krisen aus, befinde sich in einem „Ausnahmezustand“ oder gar „am Rande des Nervenzusammenbruchs“ (Lessenich, 2022). Aufgabe der Sozialen Arbeit ist, die Adressat:innen in Krisenzeiten zu unterstützen und ihre Teilhabechancen zu fördern.

Die Gesellschaft erlebt u. a. durch die Corona-Krise einen digitalen Schub, der einerseits neue Chancen bereithält, aber andererseits durch verschiedene Zugangsvoraussetzungen neue Ungleichheiten hervorbringt. Im Kontext der Digitalität werden unterschiedliche Teilhabechancen sichtbar und das Verhältnis zwischen Adressat:innen und Fachkräften beeinflusst.

Im Rahmen einer quantitativen Befragung wurden die Teilhabechancen im Quartier in Bezug auf die Digitalisierung untersucht. Ziel war es, herauszuarbeiten, inwiefern gesellschaftliche Krisen wie die Corona-Pandemie und der Ukrainekrieg sich auf die digitale Teilhabe der Bewohner:innen und Fachkräfte der Gemeinwesenarbeit im Quartier auswirken und Teilhabechancen beeinflussen. Die Befragung zeigte, dass neue Angebote zur Förderung des sozialen Austausches und der Freizeitgestaltung entstehen. Digitale Angebote werden vielfach ausgeweitet, aber nur teilweise dauerhaft weitergeführt, u.a. aufgrund fehlender Ressourcen.

Im geplanten Vortrag werden die Ergebnisse der Befragung vorgestellt und diskutiert. 

Chris Mühlebach (Verein sozialinfo.ch)

Digitale Transformation ist in den Organisationen der Sozialen Arbeit oft noch nicht als kontinuierliche Gestaltungsaufgabe verankert. Was die Entwicklung zusätzlich erschwert. Denn die Digitalisierung stellt soziale Organisationen vor vielfältige Herausforderungen. Je nach Blickwinkel, Interessen und – nicht zuletzt – eigenes Knowhow tauchen ganz unterschiedliche Fragen und Themen auf. Oft ist es schwierig, organisationsintern ein gemeinsames Verständnis und eine klare Ausrichtung zu finden, wo die Reise der digitalen Entwicklung hinführen soll. Dabei stellen sich gleichermassen Fragen nach neuen Bedarfen auf der Seite von Adressat:innen und weiteren Anspruchsgruppen sowie nach internen Prozessen, Kompetenzen und Ressourcen. Gleichzeitig bestehen für die sozialen Organisationen strukturelle Rahmenbedingungen, die zusätzliche Hürden darstellen können.

Der in diesem Beitrag vorgestellte DigitalCheck zeigt in systematischer Weise auf, welche Fragestellung sich soziale Organisationen stellen müssen, um die Frage zu klären, welche Entwicklungsschritte in der digitalen Transformation möglich, sinnvoll und nützlich sind.

Basis für den DigitalCheck ist das «Analysemodell zur digitalen Transformation in sozialen Organisationen», welches in einem kooperativen Entwicklungsprojekt zwischen sozialinfo.ch und der Hochschule für Soziale Arbeit der FHNW erarbeitet und wissenschaftlich fundiert wurde. Das Modell ist spezifisch auf die Branche der Sozialen Arbeit zugeschnitten und ermöglicht den sozialen Organisationen eine transparente Selbsteinschätzung und fördert die Auseinandersetzung mit zentralen fachlichen und organisationalen Fragestellungen.

Annika Hudelmayer, Dr. Johanna Schütz (Hochschule Kempten)

In der häuslichen Pflege wird der Entwicklung digitaler Technologien großes Potenzial zugeschrieben. Trotz dieser Hoffnungen sind sie in diesem Bereich bisher kaum verbreitet, u.a. weil sie sich unzureichend an den Bedarfen der Zielgruppe orientieren. Die Soziale Arbeit überlässt die Weiterentwicklung des Feldes bisher v. a. Entwickler:innen. Dabei ist sie mit Blick auf ihre Expertise hinsichtlich zielgruppenspezifischer Bedarfe aufgefordert, ihre Perspektive einzubringen und sich an der bedarfsgerechten Entwicklung digitaler Technologien zu beteiligen, (Zugangs-)Barrieren abzubauen und ‚neuen‘ Formen (digitaler) Ungleichheit entgegenzuwirken.

In einer Interviewstudie mit der Fragestellung, inwiefern und wen eine niedrigschwellige, kostenlose Pflege-App unterstützen kann, wurde eine App von 16 pflegenden Angehörigen unter Alltagsbedingungen mehrere Monate genutzt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Apps für die Angehörigenpflege der Zielgruppe unbekannt waren. Die App wurde aber gerade zu Beginn einer Pflegesituation – im Kontext unübersichtlicher Angebotslandschaften mit fragmentierten Zuständigkeiten – als Entlastung erlebt. Insbesondere unter Pflegeerfahrenen verdeutlichen sich dagegen Hürden, sich mit neuen Kommunikationswegen auseinanderzusetzen und etablierte Routinen zu verändern.

Die Studienergebnisse zeigen zahlreiche Barrieren, die den erhofften Potenzialen der ‚Digitalisierung der Pflege‘ entgegenstehen – viele davon sind nicht auf technologischer Ebene zu lösen. Damit ist die Soziale Arbeit an mehreren Stellen gefordert:

  • In Beratungskontexten frühestmöglich über die Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien zu informieren und die Zielgruppen zu befähigen
  • Sensibilisierung der Fachkräfte für digitale Technologien und Entwicklung von Konzepten, um der Dynamik der Angebotslandschaft gerecht zu werden

Sich unter Wahrung der eigenen Perspektive in Forschungsprojekte einzubringen, um die Prozesse (mit)zugestalten

Yves Bachofner, Dr. Alexander Seifert (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)

Gesundes Altern steht in einem engen Zusammenhang mit der Gesundheitskompetenz, die massgeblich durch den Zugang zu verlässlichen Gesundheitsinformationen gefördert wird. Immer mehr werden diese Gesundheitsinformationen auch digital (z. B. auf Webseiten) bereitgestellt und gelesen. Gerade diese neuen digitalen Wege der Vermittlung von Gesundheitsinformationen bergen das Potenzial, qualitativ gute gesundheitsbezogene Informationen zu erhalten und soziale Interaktionen mit anderen Online-Teilnehmenden zu fördern. Jedoch stehen gerade ältere Menschen vermehrt vor Hindernissen und Gefahren bei der digitalen Informationsbeschaffung – trotz einer zunehmenden Nutzung des Internets in dieser Altersgruppe.

Die Studie „Regional Health Promotion in an Age-Friendly Digital World in Switzerland“, kurz ReDiH, untersucht mittels eines Mixed-Methods-Ansatzes (nationale Befragung und partizipative Workshops), inwieweit ältere Menschen Online-Gesundheitsinformationen nutzen, was sie dazu motiviert und auf welche Barrieren sie hierbei stossen. Dieser Beitrag präsentiert erste Ergebnisse aus der Mitte 2024 stattfindenden nationalen Befragung von mehr als 1200 älteren Menschen und beleuchtet die vielschichtige Dynamik des «digitalen Gaps» in der Beschaffung von Gesundheitsinformationen. Dabei werden nicht nur die Hindernisse diskutiert, sondern auch Einblicke in mögliche Lösungsansätze geboten. Zudem sollen die sozialen Ungleichheiten der Nutzung von digitalen Gesundheitsinformationen betrachtet und die Zielgruppen der Sozialen Arbeit in Bezug auf eine gesundheitsfördernde Alltagsgestaltung im Alter hin definiert werden.

Stéphanie Allesina (Pro Senectute Vaud)

Dieser Beitrag stützt sich auf die wichtigsten Ergebnisse der Masterarbeit, die derzeit von Stephanie Allesina verfasst wird. Die Masterarbeit zielt auf die Beantwortung folgender Forschungsfrage ab: Inwiefern und wie hinterfragt die Dematerialisierung der Leistungen der Daseinsvorsorge den Beruf der soziokulturellen Animation im Interventionsfeld Alter?

Die Studie gliedert sich in drei grosse Etappen:

  1. Inwiefern und wie hinterfragt dieses Phänomen die Rolle, den Tätigkeitsbereich und die Professionalität der soziokulturellen Animatoren und Animatorinnen, die mit und für Senioren und Seniorinnen arbeiten?
  2. Inwiefern und wie wird die Hilfebeziehung dadurch rekonfiguriert?
  3. Inwiefern stellen diese Neukonfigurationen eine Herausforderung für die Professionalität der soziokulturellen Animatorinnen und Animatoren dar?

Yann Regard (IRTS Hauts-de-France)

Praktiker der Sozialen Arbeit müssen sich während ihres gesamten Berufslebens weiterbilden. Zwar ist die Erfahrung vor Ort zweifellos der beste Weg, um zu lernen, doch manchmal ist die Realität zu komplex oder zu riskant, um eine Intervention ohne vorherige Vorbereitung zuzulassen. Ausserdem können nicht alle Problemsituationen nur aus dem Grund dafür ausgelöst werden, um eine Schulungserfahrung zu ermöglichen.

In diesem Zusammenhang haben wir das Konzept der lernenden virtuellen Immersion (LVI) entwickelt, indem wir die virtuelle Realität zu immersiven und ausbildenden Zwecken nutzen. Die Welt der virtuellen Realität scheint auf den ersten Blick nicht mit der Aus- und Weiterbildung im sozialen Bereich kompatibel zu sein. Dennoch kann sie das Eintauchen in schwierige berufliche Situationen ermöglichen, so dass diese mehrfach, ohne Risiko und ohne Konsequenzen erfahren werden können.

Die Immersionen werden auf der Grundlage von Bildern durchgeführt, die mit einer 360°-Kamera und Schauspielenden unter realen Bedingungen aufgenommen wurden. Die erlebten Erfahrungen und Emotionen führen zu einer starken und dauerhaften Verankerung im Gedächtnis. Die LVI ermöglicht es den Fachkräften, sich sicher auf komplexe berufliche Situationen vorzubereiten. Die LVI besteht aus mehreren Phasen mit einem begleitenden Austausch in der Gruppe.

Es wurden auch LVI für begleitete Personen entwickelt, insbesondere für Kinder mit Autismus, die panische Angst vor einer Zahnbehandlung haben und diese verweigern. In diesem Fall ermöglicht die LVI eine schrittweise Annäherung an die Umgebung einer Zahnarztpraxis und das schrittweise Vertrautmachen mit den Möbeln, den Werkzeugen, den Geräuschen, den Lichtern und schliesslich mit dem Pflegeprozess. Ziel ist es, die angstbesetzte Vorstellung einer Zahnbehandlung zu entmystifizieren. Im Bereich der Sozialarbeit ist die LVI kein Ersatz für die physische und menschliche Beziehung, sondern ein ergänzendes Instrument im Ausbildungsprozess.

Yannik Steinhart, Milena Imgart, Prof. Dr. Verena Ketter (Hochschule Esslingen)

In verschiedenen Feldern der Sozialen Arbeit werden Bildungsmomente und neue Perspektiven mithilfe von immersiven Technologien wie Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) eröffnet, z.B. in Lehrveranstaltungen als Beratungssequenzen (Bachmann et al. 2019), in der Altenhilfe (Feldmann 2020, Hagendorff 2020) oder in der sozialraumorientierten Jugendarbeit (Marx 2018).

Im Kontext des Forschungsprojekts „Doing Media Education in Esslingen“ (DoMES) haben Bachelorstudierende mithilfe einer AR-Autorensoftware eine Applikation gestaltet, die soziale Fachkräfte in diverse Dilemmasituationen in der Jugendarbeit führt und Möglichkeiten des professionellen Handelns aufzeigt. Zur Meinungsbildung- und Entscheidungsfindung werden zusätzliche Informationen wie z.B. Theorieexzerpte und Studienergebnisse eingeblendet. Durch das Erstellen dieser Zusatzinformationen als Text-, Bild- oder Audiodatei haben die Studierenden theoretisches, empirisches und Erfahrungswissen verknüpft und sich zugleich mit unterschiedlichen Medientechnologien reflektiert-kritisch auseinandergesetzt. Somit konnten sie mehrere, über die bloße Anhäufung von Wissen (Jörissen/Marotzki 2009, Koller 2016) hinausgehende Medienbildungsgelegenheiten erfahren. Entstanden ist eine AR-Anwendung, in der Nutzer:innen durch Szenarios navigieren, die (unlösbare) Widersprüche enthalten (vgl. Thole/Pothmann 2021). Die Auswahl aus mehreren Entscheidungsoptionen und Abwägung verschiedener fachlicher Argumente kann zu vielfältigen Anschlussreflexionen führen. Darin liegt ein Distanzierungsmoment, der in der Praxis so nicht möglich ist, jedoch eine neue Perspektive, insbesondere auf das „situativ-spontane Handeln“ (Herrmann 2023, 17) zugänglich macht. Im Beitrag soll die AR-Applikation vorgestellt werden, um anschließend über methodische Ansätze und Bildungskonzepte für das Studium und die Jugendarbeit zu diskutieren.

Maria Adam (Hochschule RheinMain)

Die Anwendung von Virtual Reality (VR) in Studium und Lehre, spezifisch in der Sozialen Arbeit, ist bisher kaum erforscht bzw. wird an einzelnen Hochschulen mit unterschiedlichen technischen, inhaltlichen und didaktischen Ausrichtungen umgesetzt. Der Einsatz von VR-Hardware bietet den Vorteil der einhergehenden Immersion und damit eines digitalen Simulations-, Erlebens- und Erfahrungsraums für die Nutzer:innen, in diesem Fall für Studierende. Durch das immersive (Mit-)erleben von simulierten Lebenswelten wird ein Perspektivwechsel auf Adressat:innen Sozialer Arbeit ermöglicht. Konkret geschieht dies im VR-Labor an der Hochschule RheinMain, Wiesbaden über die Erstellung und den Einsatz von 360°-Videos, über die neue Reflexionszugänge für das eigene Handeln entfaltet werden können und die das Erlernen einer professionellen Empathie als Teil der Sozialkompetenz von angehenden Fachkräften zulassen.

Diese Empathie wird u.a. für das methodische Handeln in der sozialarbeiterischen Fallarbeit benötigt, um individuelle Lebenswelten und Lebensstrategien der Adressat:innen entschlüsseln zu können (B. Müller 2017). Auch wenn sich durch den Einsatz von VR technische und didaktische Herausforderungen für die anwendungsorientierte Hochschullehre ergeben, entwickeln Studierende durch die aktive Arbeit mit VR ihre Digitalkompetenzen weiter, die für zukünftige Herausforderungen von Digitalität in der Praxis Sozialer Arbeit benötigt werden.  Im Rahmen des Vortrages wird anhand von konkreten Praxisbeispielen aus der curricularen Lehre studentische Arbeiten mit VR im Kontext des Krankheitsbildes der Schizophrenie und der vielfältigen Bewältigungsherausforderungen in einer Palliativsituation vorgestellt. Ebenso soll ein Ausblick gegeben werden, welche Szenarien beim Einsatz von VR mit Adressat:innen der Sozialen Arbeit insbesondere in der Bildungsarbeit denkbar wären.

Magdalena Waeber (Universität Bern)

Die Digitalisierung verändert professionelle Dienstleistungen verschiedener Sektoren tiefgreifend und hat erhebliche Auswirkungen auf die Bereitstellung von Pflege- und Unterstützungsleistungen. Traditionell stützen sich diese Dienstleistungen auf persönliche Interaktion zwischen Fachkräften und Klient:innen, wodurch Nähe und persönlicher Kontakt gefördert werden. Die Digitalisierung beeinflusst diese Klient:innenbeziehung sowie die Organisation und Nutzung professioneller Dienstleistungen. In der hochspezialisierten Suchtberatung, wo die Beziehung zwischen Fachkräften und Klient:innen entscheidend für die Leistungserbringung ist, ist es von grosser Bedeutung, die Entwicklung dieser Beziehung im digitalen Zeitalter sorgfältig zu untersuchen.

Unser Beitrag zielt darauf ab, Chancen und Herausforderungen zu verstehen, die sich bei der Technologienutzung in der Klient:innenbeziehung im Kontext der Sozialen Arbeit ergeben. Durch eine systematische Literaturübersicht basierend auf zwei einschlägigen Forschungssträngen möchten wir die Auswirkungen von Technologienutzung auf diese Beziehung verstehen. Aus der Organisations- und Managementliteratur konkretisieren wir die Kontexteigenschaften einer Klient:innenbeziehung, die durch die Nutzung von Technologie beeinflusst werden. Diese Eigenschaften stellen wir erfolgskritischen Praktiken zur Gestaltung von Klient:innenbeziehungen aus der Suchtberatungsliteratur gegenüber.

Dank dieser systematischen Gegenüberstellung gewinnen wir einen Überblick über Chancen und Herausforderungen, wenn Fachkräfte Technologie zur Gestaltung von Klient:innenbeziehungen einsetzen. Auf Basis dieser Erkenntnisse können Fachkräfte der Sozialen Arbeit Handlungspraktiken ableiten, um erkannte Chancen in technologisierten Klient:innenbeziehungen zu nutzen und Herausforderungen zu überwinden. Des Weiteren formulieren wir konkrete Hinweise, wie die Technologienutzung in der Klient:innenbeziehungen im Kontext der Sozialen Arbeit erforscht werden kann.

Theresa Becker (Philipps-Universität Marburg)

Vor und während der Vollzeitpflege haben Pflegeeltern einen Anspruch auf Beratung und Unterstützung (§ 37a SGB VIII). Allerdings erfahren Beratung und Unterstützung eine Modifikation bzw. Umwandlung in Qualifizierung (Köhler, Kröper & Gehres, 2017). Vor diesem Hintergrund entwickelt, erprobt und implementiert der St. Elisabeth-Verein e.V. Marburg (Fachbereich Pflegefamilien) im Zeitraum von September 2021 bis August 2025, gefördert durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, ein E-Learning für Pflegeeltern bestehend aus sieben Modulen zu verschiedenen Themen, das an der Philipps-Universität Marburg (Fachbereich Erziehungswissenschaften, Institut für Erziehungswissenschaft) evaluiert wird. Der Einzelbeitrag möchte Ausschnitte aus dem E-Learning und erste Evaluationsergebnisse vorstellen, die zeigen, wie Pflegeeltern das E-Learning (nicht) nutzen und was ihnen daran (nicht) nutzt. Zum einen lassen sich daraus Chancen und Risiken ableiten, zum anderen lässt sich daran die Diskussion um Digitalisierung verstanden als Top-Down-Prozess, bei dem digitale Tools eingeführt werden und Digitalität verstanden als Bottom-Up-Prozess, bei dem digitale Tools bereits im Alltag genutzt werden (Weinhardt, 2021), anschließen. Folglich wird das „doing digitality“ (ebd.) von Pflegeeltern im Hinblick auf ihre Beratung, Unterstützung bzw. Qualifizierung beleuchtet.

Neela Kim Vetsch (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)

Eines von drei Kindern weltweit erlebt ungünstige Kindheitserfahrungen (Adverse Childhood Experiences; ACE) wie emotionale oder körperliche Misshandlung oder Vernachlässigung, sexualisierte Übergriffe, das Erleben von Gewalt zwischen Eltern oder Mobbing. ACE können eine grosse Belastung darstellen und das Risiko für psychische Störungen im Laufe des Lebens erhöhen. Ziel des Projekts FACE – Facing adverse childhood experiences using new technologies ist es zu verstehen, welche Rolle Emotionsregulation und soziale Informationsverarbeitung für die psychische Gesundheit und die Bewältigung belastender Kindheitserfahrungen hat. Dafür wurden in einer Längsschnittstudie 2500 junge Erwachsene zu ihren Erfahrungen und Wohlbefinden befragt. Oft suchen Menschen mit ACE-Vergangenheit keine professionellen Hilfemöglichkeiten auf. Neue Technologien haben folglich ein grosses Potenzial, um Betroffene niederschwellig zu unterstützen und Behandlungslücken im Bereich der psychischen Gesundheit zu schliessen. Basierend auf den Resultaten der Längsschnittstudie und einem iterativen Co-Design, wurde eine Selbsthilfe-App zur Förderung der Resilienz und des Wohlbefindens bei jungen Erwachsenen mit ACE entwickelt. Das Angebot wird zu einem Zeitpunkt im Leben angeboten, wenn junge Erwachsene selbstständig und von ihren Eltern unabhängig werden. Dieser Lebensabschnitt bietet eine Chance für positive Veränderungen, birgt aber auch das Risiko der Verfestigung von Problemen. Durch die angeleitete Selbsthilfe-App können Teilnehmende in verschiedenen Modulen und mit differenzierten Tools die eigene Emotionsregulation und soziale Informationsverarbeitung trainieren. Zudem erhalten Betroffene Informationen zur Einordnung ihrer Erfahrungen. Die App mit 250 Teilnehmenden wird in einer randomisierten klinischen Studie (RCT) auf ihre Wirksamkeit hin untersucht. An der Konferenz werden die FACE-Selbsthilfe App, Teile der Entwicklung, die unterschiedlichen Inhalte/Tools sowie erste Ergebnisse präsentiert.

Workshops

Prof. Dr. Susanna Niehaus, Dr. Teresa Schneider, Tanja Mitrovic (Hochschule Luzern – Soziale Arbeit), Dr. Don Tuggener (ZHAW School of Engineering), Simon Hischier (Hochschule Luzern – Informatik)

Befragungen von Kindern bei Verdacht auf sexualisierte Gewalt stellen hohe Anforderungen an die Qualifikation Befragender, da die Aussage des Kindes in diesen Fällen in einem etwaigen späteren Strafverfahren in der Regel alleiniges Beweismittel ist. Kinder sind zudem leicht beeinflussbar, unsorgfältige Befragungen führen insofern nicht nur zu unbrauchbaren Aussagen, schlimmstenfalls stossen sie die Entwicklung von Scheinerinnerungen an und schaden damit unmittelbar dem Kind selbst. Scheinerinnerungen wirken echt und haben die gleichen Folgen für Betroffene wie tatsächliche Erlebnisse.

Ob auf Grundlage von Kindsbefragungen angemessene Entscheidungen getroffen werden können, hängt somit wesentlich von der Qualifikation Befragender ab. Da in Trainings aufgrund der Thematik aus ethischen Gründen keine Kinderschauspieler:innen eingesetzt werden können, fehlen Übungsmöglichkeiten. In der Folge sind Kinder in der Praxis oft mit unerfahrenen Personen konfrontiert. Ein interdisziplinäres Team aus den Fachbereichen Soziale Arbeit (Aussagepsychologie), Informatik (Natural Language Processing, Computerlinguistik, Machine Learning, Game Design) und Design (Design und Animation) hat im Rahmen eines vom SNF geförderten Projekts eine Software zum Trainieren von Kindsbefragungen entwickelt. Fachpersonen sollen künftig mittels virtueller Charaktere ihre Befragungstechnik trainieren können, indem sie vom System systematisches Feedback zu ihrer Leistung erhalten. Die mit dem späteren Einsatz dieser Software avisierte Verbesserung der Befragungspraxis dient dem Schutz des Kindes und entspricht der internationalen Forderung nach einer Child-friendly Justice.

Nach einer kurzen thematischen Einführung zum Hintergrund sowie zu Entwicklungsschritten und Herausforderungen bei der Konzeption der virtuellen Charaktere erhalten Teilnehmende die Möglichkeit, die Software in Kleingruppen selbst auszuprobieren. Abschliessend werden weitere Anwendungsmöglichkeiten für die Soziale Arbeit diskutiert.

Dr. Annika Henrizi (Hochschule Luzern – Soziale Arbeit)

Dieser Workshop bietet eine praktische Einführung in die Nutzung von KI als Sparring-Partner im Studium der Sozialen Arbeit. Taugt ein KI-Buddy für die Erstellung einer Disposition zu einer Bachelorarbeit? Wir kann ich meine Recherche mithilfe von KI verbessern?

Wir werden erkunden, wie KI in der Recherche und beim wissenschaftlichen Schreiben eingesetzt werden kann und tauschen Erfahrungen zu nützlichen Prompts und didaktischen Ideen aus.

Ausserdem beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Kompetenzen Studierende der Sozialen Arbeit für die Arbeit mit KI benötigen, welche «verlernbar» sein dürfen und an welchen wir unbedingt festhalten wollen.

Prof. Dr. Miryam Eser Davolio (ZHAW Departement Soziale Arbeit)

Die positiven Auswirkungen einer angemessenen Fallbelastung in der Sozialhilfe sind vielfältig, wie auch jüngste Studienergebnisse zeigen. Für den einzelnen Sozialdienst ist es aber durchaus eine Herausforderung, die angemessene Fallbelastung zu bestimmen. Unter anderem fehlt es oft an brauchbaren Kennzahlen und die Vergleichbarkeit mit anderen Sozialdiensten ist schwierig. Vor diesem Hintergrund hat ein Projekt der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Partnerschaft mit der SKOS sowie 20 Sozialdiensten und mit Unterstützung des Büro BASS ein online-Tool namens «Caseload Converter» entwickelt – ein bedarfsgerechtes online-Berechnungstool für Sozialdienstleitende, um die Falllast und den Personalbedarf zu ermitteln und zu optimieren.  

Der Workshop beleuchtet diese Fragen rund um die angemessene Fallbelastung und stellt den aktuellen Stand des Projektes nach seiner Fertigstellung im Mai 2024 vor. Zugleich werden wir mit den Teilnehmenden den Einsatz des Tools mit Blick auf die Verwendung im Sozialmanagement eines Sozialdiensts nach innen (Ausstattung eines Dienstes, Belastung der Sozialarbeitenden) und aussen (auf lokal-sozialpolitischer oder kantonaler Ebene) diskutieren – auch zur Frage der politischen und berufsethischen Legitimation der Anpassung von Personalressourcen mittels digitaler Standardisierung.

Jean-Louis Martinez (Ehpad Fil d’Argent)

Cela fait maintenant 18 ans que J.-L. Martinez utilise une plateforme technologique au sein du travail social. Cette aventure a débuté en 2005 par une licence à distance en sciences de l’éducation. Avec Moodle, elle a évolué, en passant par une guidance d’éducateur spécialisé par la valorisation des acquis de l’expérience (VAE), une évaluation interne et une organisation du travail dans le champ du handicap, jusqu’à prendre la forme d’un Environnement Numérique de Travail au sein de l’Ehpad Fil d’Argent. Cette proposition d’intervention lui donne l’occasion de faire un point sur le cheminement de ces 18 années d’expérimentations numériques et de partager le sens de cette ‘digitalité’ dans son contexte. Il est ponctué par diverses productions concernant une modélisation de la transformation digitale institutionnelle, qui s’élabore comme une réponse à partir d’un contexte donné. Il n’aura échappé à personne que l’accroissement continu des injonctions bureaucratiques affecte tous les secteurs d’activités. J.-L. Martinez nomme cette réalité au sein du travail social les RIDES (Recommandations, Injonctions, Demandes, Évaluations, Sécurisations). Dans ce contexte, la transformation numérique évolutive de l’organisation du travail mise en œuvre s’inscrit alors dans un « conatus » d’usages de butinage – bricolage – braconnage permettant de traduire, concevoir, transmettre et inventer. Ce savoir-agir est une tentative de transcender les RIDES pour essayer de recentrer les professionnel·les sur leur cœur de métier. Un des enjeux de cette transformation réflexive par une ‘digitalité’ du travail en travail social est de tenter de maintenir ensemble une cohésion/adhésion et une critique constructive sur le sens de l’action collective : qu’est-ce que nous faisons ensemble ? À travers ce questionnement, c’est une éthique de la relation, du lien que nous cherchons à développer en donnant à voir, à penser et à construire « une vie accomplie, avec et pour les autres, dans des institutions justes », selon la formule de P. Ricoeur (1990).

Session IV

Panels

Endrit Sadiku (Jugendarbeit Basel (JuAr))

Während der Corona-Krise sahen sich verschiedene Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Kanton Basel-Stadt gezwungen ihre offenen Angebote, aufgrund der behördlichen Massnahmen, einzustellen (vgl. Kanton Basel-Stadt, 2020). Dadurch war der direkte Kontakt zu Kindern und Jugendlichen über mehrere Monate hinweg eingeschränkt. Es wurde fortan versucht, den Kontakt über digitale Medien zu den Kindern und Jugendlichen aufrechtzuhalten und so Eintritt in eine neue Lebenswelt zu erhalten. Der vorliegende Beitrag behandelt einen gelingenden Ansatz in der digitalen Angebotsentwicklung aus der Praxis Offener Jugendarbeit, angetrieben aus einer Notsituation heraus. Darin eingeschlossen werden die Themen Datenschutz, Bedarfserhebung, Social Media als Werkzeug und die Aneignung neuer Kompetenzen. Der #JugendLiveTalk stellt ein Instagram Videokanal für Jugendliche dar und wurde erstmals im Februar 2021 ausgestrahlt. Bis heute wurden bereits über 80 Talk-Sendungen mit Jugendlichen zusammen aufgenommen zu verschiedensten Themen, für die sie sich interessieren. Im vorliegenden Beitrag erhalten Fachpersonen einen Einblick in den genauen Prozessablauf und der Möglichkeit Instagram als Video- Kommunikationstool kennenzulernen.

Um innovative Angebote aus der digitalen Welt zu implementieren – wie vorliegend der #JugendLiveTalk erwähnt – bedarf es zunächst ein Sensorium von Leitungspersonen zu entwickeln, welche ihre Mitarbeitenden abholen und für die Themen der Digitalität empowern können. Davon handelt der nachstehende Beitrag.

Simon Zimmermann (GGG Stadtbibliothek Basel)

Die verstärkte Auseinandersetzung mit Digitalität in der Offenen Jugendarbeit kann als Antwort auf den digitalen Wandel der Gesellschaft verstanden werden (vgl. Pöyskö o.J.). Seit Beginn der Corona-Pandemie stehen Mitarbeitende der Offenen Jugendarbeit vor einer neuen Auftragslage. Viele Institutionen widmen sich daher der «Digitalen Jugendarbeit», da diese ihre Tätigkeitsfelder an den Interessen und der Lebenswelt der Jugendlichen ausrichtet (vgl. Jugend und Medien o.J.). Diese rasante Entwicklung kann für Teams der Offenen Jugendarbeit, die bereits mit diversen Lebenswelten konfrontiert sind, überfordernd wirken. Erfahrungen im Team der Jugendarbeit GGG Stadtbibliothek Basel haben gezeigt, dass es innerhalb des Teams Unterschiede in der Affinität und Motivation gibt, sich mit digitalen Themen zu beschäftigen. Es ist für Jugendarbeitende keineswegs selbstverständlich, über das nötige Know-how zu verfügen, um direkt an das Expert:innenwissen der Jugendlichen anzuknüpfen und sie sowohl auf Gefahren als auch auf positive Entwicklungen der digitalen Welt hinzuweisen. Daher bedarf es einer wohlwollenden und sensiblen Herangehensweise von Führungspersonen, um Teams mit Wissen, Motivation und der Bereitschaft zur Weiterbildung auszustatten. Dieser Beitrag soll aus Sicht der Leitung der Jugendarbeit GGG Stadtbibliothek Basel anhand verschiedener Best-Practice-Beispiele einen Einblick geben, wie Motivation durch das Aufzeigen des Nutzens und der Tragweite sowie der Verbindung der Digitalen Jugendarbeit mit verschiedenen Lebensbereichen, entstehen kann.

Prof. Dr. Jan Sailer (IU Internationale Hochschule am Campus Frankfurt am Main), Prof. Dr. Annemarie Matthies (IU Internationale Hochschule am Campus Berlin)

In der deutschlandweiten Befragung zur Digitalisierung (in) der Sozialen Arbeit (DIGITASA) wurden im Jahr 2023 Akteur:innen aus der Praxis (N=657) zu ihrer Perspektive auf Digitalisierungsprozesse befragt. Sie wurden u.a. gebeten, die Zukunftstechniken „Chatbot“ und algorithmenbasierte Entscheidungsverfahren sowie die schon länger eingesetzte digitale Falldokumentation (Staab/Prediger 2019) unter ethischen Gesichtspunkten einzuschätzen und ihre Beurteilung in Freitextantworten zu erörtern. Die bislang in der Praxis nicht oder nur vereinzelt eingesetzten digitalen Techniken wie Chatbots und algorithmenbasierte Entscheidungsverfahren (Steiner/Tschopp 2022) werden von einem Großteil der Befragten als (sehr) negativ bewertet (31% bzw. 46%). Digitale Falldokumentation hingegen wird mehrheitlich als (sehr) positiv bewertet (78%). Ethische Vorbehalte scheinen hier nicht zu bestehen und das Potential der Nutzung digitaler Dokumentationsdaten für weiterreichende – als negativ eingeschätzte – Digitalisierungsprozesse (zu diesem Potential siehe Stangl 2023) nicht reflektiert zu werden. 

Insgesamt zeigen sich in den Freitextantworten sehr unterschiedliche, teils differenzierte, teils aber auch rein pragmatische Beurteilungen. Neben der Diskussion dieser Ergebnisse beleuchtet der Beitrag die ethischen Maßstäbe der Praxis und setzt die teilweise anschaulich ausformulierten Einschätzungen ins Verhältnis zu den Potentialen und Limitationen der jeweiligen digitalen Technik.  

Mag. Dr. Sabine Klinger (Universität Graz)

In den letzten Jahren wurde verstärkt über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Feld der Kinder- und Jugendarbeit diskutiert und es existieren bereits erste Pilotprojekte, z.B. in der Administration, in Form von Chatbots oder bei der Diagnose und Anamnese von Klient:innen (Steiner/Tschopp 2022). Ziel des Beitrags ist es, die Herausforderungen und Chancen des Einsatzes von KI-Technologien auszuloten. Dabei spielen geschlechter- und diversitätsreflektierende Perspektiven eine zentrale Rolle, da sowohl KI’s selbst als auch die Daten, von denen sie lernen, von Geschlechterordnungen durchdrungen und geformt sind (Richter 2022; Krellmann & Groß 2023).

Unsere Ausführungen basieren auf Erkenntnissen des Projekts „AI@youthwork: Zukunftsszenarien zur Anwendung von Artificial Intelligence in der Kinder- und Jugendarbeit“ (2024-2025). Das Projekt basiert auf einem dreistufigen Mixed-Methods-Design. Dieses umfasst 1) qualitative Interviews mit Expert:innen, die sich in ihrer Forschung mit AI-Technologien befassen oder in ihrer sozialen Praxis anwenden, 2) eine standardisierte Online-Befragung in Organisationen der Kinder- und Jugendarbeit sowie 3) partizipative Design-Labs mit Fach- und Führungskräften der Kinder- und Jugendarbeit sowie KI-Expert:innen. Im Beitrag werden erste Ergebnisse dieses Projektes vorgestellt.

Prof. Dr. phil. Noreen Naranjos Velazquez (IU International University of Applied Sciences)

In Kontext von sexuellem Missbrauch in der Kindheit werden Forschende durch die emotionale Belastung sensibler Datenverarbeitung vor erhebliche Herausforderungen gestellt (Starcher & Stolzenberg, 2020; Williamson et al., 2020). Eine Abhilfe bietet der Einsatz des KI-Tools ChatGPT von OpenAI (2023). Es ermöglicht eine effiziente und emotionale Distanz wahrende Datenaufbereitung. Hierbei können qualitative Inhalte in quantifizierbare Formate übertragen werden, was eine statistische Analyse unter geringerer emotionaler Beeinflussung der Forschenden zulässt (Morgan, 2023; van Manen, 2023). Die Inter-Coder-Reliabilität dieser Methode wurde überprüft (Naranjos Velazquez, in Druck). Die Ergebnisse betonen die Zuverlässigkeit von ChatGPT in der Datenaufbereitung sensibler Informationen sowie die Eignung zur Ermittlung von Netzwerkstrukturen aus den Daten Betroffener von sexuellem Kindesmissbrauch (James et al., 2019; Naranjos Velazquez, 2023a, 2023b, 104; Scardera et al., 2023) Abschließend beleuchtet der Beitrag ethische und praktische Implikationen des KI-Einsatzes in der Sozialen Arbeit, diskutiert die Grenzen dieser Technologie und bietet einen Ausblick auf ihre Anwendungsmöglichkeiten in der Forschung Sozialer Arbeit (Deutscher Ethikrat, 2023, S. 185; Morgan, 2023; van Manen, 2023).

Prof. Dr. Susanne Lang PHD, Michelle Terschi, Anna Sofronova (Hochschule Mannheim)

Hintergrund unseres Beitrages sind erste Ergebnisse einer Netzwerkanalyse, welche im Rahmen des transdisziplinären, partizipativen und transformativen Forschungs- und Entwicklungsprojekt s*he\ter*, durchgeführt wurde. s*he\ter hat zum Ziel, mit Erwachsenen, die in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt haben, inklusiv-digitale Austausch-, Schutz- und Begegnungsräume zu entwickeln und zu erproben. Anlass sind Ergebnisse aus Erhebungen unter Betroffenen, die den Bedarf an Angeboten und Begegnungsräumen für Erwachsene sowie die Notwendigkeit einer Partizipation als lebenserfahrene Expert*innen anmelden und damit gleichsam die Überwindung von Machtgefällen im Unterstützungssystem zwischen Professionellen und Adressat:innen einfordern (UBSKM  2011, 2017, 2019). s*he\ter orientiert sich methodologisch an machtkritischen und menschenrechtsorientierten Konzepten des Design Justice-Ansatzes und der partizipativen Forschung in der Sozialen Arbeit unter Einbeziehung partizipativer Methoden der Erwachsenenbildung.

Mit den Ergebnissen der Netzwerkanalyse können neue präfigurative Kommunikationskulturen von Netzwerkprotagonist*innen auf Instagram im Themenfeld sexualisierte Gewalt in der Kindheit rekonstruiert werden. Die Netzwerk-Pionier:innen tragen selbst ihre Anliegen mit eigenen kreativen Formen des Sprechens intersubjektiv, durch bild-textsprachliche Kommunikation und Produktion auf Disclosure Profilen vor. In den (Selbst-)Produktionen der Netzwerkprotagonist:innen werden Aspekte von Handlungsmächtigkeit und Agency deutlich. Durch die dort stattfindenden Offenlegungsprozesse, werden wechselseitig selbst hergestellte vireal-digitale Sprachräume eröffnet, was nicht nur zur Herstellung von Zugehörigkeit führt, sondern auch zu einer sozialen Anerkennung von leidvollen Erfahrungen und der eigenen Geschichte, die damit gleichsam kontextualisiert wird.

Heike Gerdes (Hochschule Emden/Leer)

Forschungsprojekt: “Sociotechnical Practices of Objectivation: An empirical examination of AI-based health apps for diagnosis” (HS Emden/Leer, TU Braunschweig)

Leitung: Prof. Dr. Silja Samerski & Dr. Dr. Corinna Bath

Ein Ziel von digitalen Technologien im Sozial- & Gesundheitswesen ist es, Adressat:innen informierte und objektive Entscheidungen zu ermöglichen. Aus der Perspektive der (feminist) Science & Technology Studies (STS) wird die Herstellung und Nutzung von KI-basierten diagnostischen Gesundheits-Apps untersucht. Mittels eines ethnographischen Ansatzes und theoretischen Konzepten der Akteur-Netzwerk-Theorie und des Neuen Materialismus beobachten wir teilnehmend und befragen mittels teilstrukturierter Interviews Nutzer:innen (derzeit: n=17) sowie IT- und medizinische Expert:innen (n=7) auf Seiten der Entwicklung.

Nutzer:innen von KI-basierten diagnostischen Gesundheits-Apps finden sich wieder zwischen dem Wunsch sich zu befähigen und der voraussetzungsvollen Grenzarbeit (Star & Bowker) bei der Übersetzung ihres körperlichen Wissens in ein verzerrtes und vereindeutigendes soziotechnische Klassifikationssystem. Dieses geht aus der Situierung (Haraway) der Entwickler:innen hervor, welches nicht imstande ist, die Diversität der Lebens- und Körpererfahrungen abzubilden. Ausgehend der feminist STS werden Gesundheits-Apps als herrschaftsförmige Erkenntnistechnologien (Prietl) verstanden. Nutzer:innen übernehmen zum Zwecke von (Self-)Empowerment Verantwortung, um potenziell diskriminierende Systeme am Laufen zu halten, um sich in einem von sozialer Ungleichheit durchzogenen Gesundheitssystem als kompetent behaupten zu können. Gleichzeitig lernen sie sich und ihren Körper intraaktiv durch die Materialität der App unbewusst im Lichte gewisser Normen zu deuten. Sie bewegen sich zwischen Selbstbemächtigung und Disziplinierung. Dieser Vortrag thematisiert Diversität, damit einhergehende Verantwortung und legt Aufmerksamkeit auf Entwickler:innen als Akteur:innen.

Prof. Michael Doerk (Hochschule Luzern)

Seit dem 18.05.2015 betreibt und entwickelt die Hochschule Luzern die Geschäftsapplikation relax – concentrate – create (rcc.hslu.ch), im Folgenden rcc. Es handelt sich um eine Onlineplattform für Ressourcenmanagement, Prävention und Gesundheitsförderung. Seit 2017 steht rcc zusätzlich allen ca. 470’000 SWITCHaai-Usern zur Verfügung. rcc wird an allen Departementen der HSLU, in der Bildungslandschaft Luzern und darüber hinaus an (Partner)Hochschulen im In- und Ausland für den vierfachen Leistungsauftrag eingesetzt.

Die Online-Plattform und deren Weiterentwicklung wurde zweimal am Comenius EduMedia Award in Deutschland als pädagogisch, inhaltlich und gestalterisch herausragendes, digitales Bildungsmedium ausgezeichnet. Die durchschnittlichen Aufrufe von rcc inkl. der nicht registrierten User beläuft sich aktuell auf ca. 4’200 pro Monat. Zudem hat sich rcc in den letzten Jahren zu einem Instrument für Datenerhebung und -Analyse in der Forschung entwickelt. Die integrierten, intelligenten Werkzeuge werden ausserdem für Weiterbildungen und Beratungsprojekte genutzt.

Seit Beginn des Herbstsemesters 2023 steht die Basisversion einer KI-basierte rcc-Assistenz zur Verfügung, die in die Lage versetzt wurde, Nutzende mehrsprachig und weitestgehend datengeschützt durch den individuellen Ressourcenmanagementprozess zu coachen. Seit dem Frühjahr 2024 ist die rcc-Plattform fester Bestandteil der betrieblichen Gesundheitsförderung der Hochschule Luzern und in ein Coachingkonzept eingebettet das alle Mitarbeitende kostenlos nutzen können.

In der Session wird das hybride Konzept der betrieblichen Gesundheitsförderung der Hochschule Luzern vorgestellt und die KI-basierten Onlinewerkzeuge in Verbindung mit den analogen Coachingsequenzen kompakt präsentiert.

Eva Nada (Haute école de travail social Genève, HES-SO)

In der Schweiz scheinen nur die Kantone Winterthur und Genf die Digitalisierung in den Verwaltungs- und Antragsprozessen der Sozialhilfe zu nutzen. Im Kanton Genf wurde 2018 die erste Etappe des Programms zur Entmaterialisierung der Sozialhilfe umgesetzt. Die wichtigsten Errungenschaften waren die Entmaterialisierung der Dossiers der Leistungsbeziehenden, die Einführung von Tools für den Erwerb und die Speicherung von Dokumenten sowie die Entwicklung einer Schnittstelle, die eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Verwaltung und Bearbeitung der Dossiers der Leistungsbeziehenden ermöglicht.

In diesem Prozess der «Digitalität» trifft die begünstigte Person nicht mehr auf ihre Sozialarbeiterin bzw. seinen Sozialarbeiter oder eine andere Person, die mit dem Dossier betreut ist. Diese Prozesse sind Gegenstand verschiedener Arten von Aktivitäten, die nicht zum Sozialwesen im eigentlichen Sinne gehören und von verschiedenen Akteuren und Akteurinnen durchgeführt werden, die keine Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeiter sind.

Im Kanton Genf wird der Prozess der Entmaterialisierung der Dokumente von den Leistungsbeziehenden durchgeführt, die nachdrücklich dazu angehalten werden, ihre Dokumente zu digitalisieren, um ihren monatlichen Antrag auf Sozialleistungen zu stellen. Diese Dokumente werden dann von den Sekretariaten der Sozialhilfezentren (CAS) entgegengenommen, bevor sie an das Digitalisierungszentrum weitergeleitet werden.

Das «korrekte» Scannen, die Lesbarkeit der Dokumente und ihre Zuordnung zu den Dossiers der Leistungsempfangenden wird dann von ausgesteuerten Arbeitslosen durchgeführt, bevor die Sachbearbeiterin oder der Sachbearbeiter über eine Schnittstelle, die sie oder ihn über den Eingang der Dokumente informiert hat, die Auszahlung der Leistungen genehmigt. Diese neue Arbeitsteilung bedeutet, dass die Leistungsempfängerin oder der Leistungsempfänger keinen Kontakt mehr zu ihrer Sozialarbeiterin oder seinem Sozialarbeiter hat, um den Antrag auf Sozialleistungen zu bewilligen.

Sie bedeutet auch, dass das Scannen der Dokumente von der Maschine, die die Dokumente scannt, und dem oder der Begünstigten übernommen wird, von Personen in einer Arbeitsmarktmassnahme kontrolliert wird und schliesslich von der Sachbearbeiterin oder dem Sachbearbeiter validiert wird. Mit anderen Worten ist das Digitalisierungszentrum eine Arbeitsmarktmassnahme für ausgesteuerte Arbeitslose und Asylsuchende. Diese neue Vorgehensweise wird von der Leitung des Hospice General als Möglichkeit verteidigt, den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern zu ermöglichen, sich auf die Beziehung zu konzentrieren, was impliziert, dass die administrativen Schritte, insbesondere zum Bezug von Sozialleistungen, nur wenig mit der sozialen Beziehung zu tun haben. Wir werden diesen Prozess und seine Auswirkungen auf die Arbeit von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern analysieren, indem wir auf den Begriff der «digital labor» (Casilli, 2019) und der «digital housewife» (Jarrett, 2018) zurückgreifen.

Dr. Bill Pottharst (Hochschule Bielefeld)

In Deutschland besteht in der Sozialen Arbeit ein massiver Fachkräftemangel. Gleichzeitig schreitet die Digitalisierung bei vielen fachlichen und organisatorischen Tätigkeiten kontinuierlich voran. Unter welchen Prämissen können digitale Technologien (z.B. LLM, AAL, VR/AR) Sozialarbeitende unterstützen, entlasten oder ersetzen?

Der Vortrag von einem interdisziplinären Team aus Informatik, Gerontologie und Sozialpädagogik behandelt die Auswirkungen aktueller digitaler Innovationen auf die Soziale Arbeit und den Bedarf an Fachkräften im Hinblick auf Automatisierung, Standardisierung und damit verbundener Rationalisierung. Wir identifizieren sechs bereichsübergreifende Kerntätigkeiten der Sozialen Arbeit – Dokumentation, Vermittlung, Beratung, Begleitung, Unterstützung sowie Organisation – und skizzieren, welche neueren technologischen Entwicklungen mit Blick auf die Funktionsebenen von Datenverarbeitung, -vernetzung und -vermittlung dort jeweils relevant werden könnten. In der Diskussion um Effizienz- und Qualitätsgewinne wird deutlich, dass digitale Technologien das Potenzial haben, Prozesse zu automatisieren und dadurch den Fachkräftebedarf zu reduzieren. Trotz der Substitutionspotenziale insbesondere neuer KI-Technologien kann komplexes, sozialarbeiterisches Handeln auch perspektivisch an vielen Stellen zwar unterstützt, aber nicht gleichwertig durch automatisierte Prozesse ersetzt werden. Aufgrund der steigenden Bedeutung technologischer Komponenten im Arbeitsprozess werden Einrichtungen der Sozialen Arbeit vermehrt Fachkräfte mit hoher Digital- und Datenkompetenz benötigen, die von neuen Freiräumen und Handlungsmöglichkeiten profitieren und so zu einem attraktiven Berufsbild beitragen können. Somit sind technologische Entwicklungen nicht nur bei der Optimierung von operativen Prozessen bedeutsam, sondern ebenso für die strategische Positionierung von Organisationen in der Sozialen Arbeit.

Peter A. Schmid (Hochschule Luzern – Soziale Arbeit)

Im Zusammenhang mit der digitalen Transformation und neuen technischen Möglichkeiten stellen sich ethische Fragen, denen sich sowohl die Sozialen Arbeit wie auch jene Disziplinen, die die Digitalität vorantreiben, stellen müssen. Anders als zu erwarten, lassen sich in den ethischen Diskussionen in den beiden Feldern grosse Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Werteorientierung feststellen. Der internationale Verband der Ingenieur:innen (IEEE – Institute of Electrical and Electronics Engineers), in dem auch die Informatiker:innen organisiert sind, vertritt in seinem Ethikkodex die Position einer verantwortungsbewussten digitalen Entwicklung und postuliert mit den Werten Autonomie, Fairness und Transparenz vergleichbare Werte wie die Soziale Arbeit. Auch in den regulatorischen Projekten (z. B. EU AI Act) oder in Regulierungsvorschlägen von Ethiker:innen aus dem Feld der Informatik (z. B. AI4People) finden sich diese Werte prominent wieder. Es finden sich daneben aber auch zwei Prinzipien, die in der Berufsethik der Sozialen Arbeit nicht zu finden sind, und zwar die Prinzipien «Gutes tun» und «Nicht-Schaden». Der Einzelbeitrag möchte drei Aspekte dieser Ausgangslage vertiefen und Überlegungen zu einem transdisziplinären Gespräch anstellen. Erstens soll geklärt werden, ob die Berufsethik der Sozialen Arbeit im Licht der digitalen Transformation erweitert werden muss. Zweitens soll der Frage nachgegangen werden, wie die Werte, die in der Diskussion um die Regulierung der digitalen Instrumente (gegenwärtig vor allem Instrumente der KI) ins Feld geführt werden, im Interesse der Sozialen Arbeit interpretiert werden können. Diese Auslegung soll drittens als Grundlage für ein Gespräch zwischen Sozialer Arbeit und Informatik dienen und damit einen Beitrag dazu leisten, dass die neuen technologischen Entwicklungen im Interesse einer gerechten und inklusiven Gesellschaft verwendet und reguliert werden.

Workshops

Dr. Heidi Hirschfeld, Fabienne Kaiser, Dominique Guyer (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)

Digitale Technologien durchdringen zunehmend alle Lebensbereiche. Das zeigt sich u.a. daran, dass Social Media im Bildungs- und Arbeitsalltag für Ablenkung sorgt, Menschen Anerkennungsgefühle an die Anzahl von Likes koppeln und Stressgefühle durch nicht-beantwortete Nachrichten entstehen. Forschungsergebnisse zeigen, dass junge Menschen als ‘digital natives’ adressiert werden und davon ausgegangen wird, dass sie die Anforderungen ihres digitalisierten Alltags bewältigen können. Sie selbst erleben «always on» ambivalent und verweisen auf Vor- und Nachteile, die mit der Nutzung digitaler Medien einhergehen (vgl. Steiner/Heeg 2019). Solch positive und negative Aspekte zu erkennen und zu verstehen sowie Strategien zu entwickeln, die das eigene Digital Wellbeing fördern, ist zentraler Bestandteil von Digital Literacy (vgl. Jisc 2019).

Soziale Arbeit aus einer lebensweltlichen Perspektive unterstützt Adressat:innen in ihrem Bewältigungshandeln. In einer Kultur der Digitalität heisst das, Bewältigungsstrategien zu entwickeln, die zur Stärkung digitalen Wohlbefindens beitragen. In den Blick geraten dabei u.a. die Auswirkungen der Nutzung digitaler Technologien auf die psychische, physische, soziale und emotionale Gesundheit in den Bereichen Leben, Lernen und Arbeiten.

Im Workshop wird der Frage nachgegangen, wie Soziale Arbeit das digitale Wohlbefinden ihrer Adressat:innen stärken und somit Digital Literacy nachhaltig fördern kann. Grundlage hierfür bilden die Ergebnisse des FHNW Lehrfondsprojekts „Digital Wellbeing für Studierende“, das in einem partizipativen Prozess mit Studierenden Vor- und Nachteile der Nutzung digitaler Technologien für das individuelle Wohlbefinden identifiziert und lebensweltnahe Strategien zu dessen Stärkung entwickelt, erprobt und evaluiert. Im Workshop werden die im Projekt entwickelten Strategien zur Diskussion gestellt, um gemeinsam auszuloten, inwiefern diese Anknüpfungspunkte für die Soziale Arbeit bieten.

Marlene Jänsch, Susanne Iris Bauer (Hochschule Fulda)

Transformative gesellschaftliche Prozesse verändern nicht nur die Praxis Sozialer Arbeit, sondern fordern auch die Praxis des Lehrens und Lernens in der Sozialen Arbeit heraus. Nach den einschneidenden Veränderungen im Zuge der Bologna-Reform wird der Ruf nach digitalisierten Formaten in der didaktischen Studienstruktur lauter. Dabei geht es zum einen darum, die Lehre flexibler und asynchroner zu gestalten und zum anderen darum, digitale Kompetenzen für die Praxis zu vermitteln. Grundsätzlich sind Lehrende und Lernende aber vor allem gefordert, ihren (persönlichen) Umgang mit Digitalität im Kontext Sozialer Arbeit zu reflektieren, zu gestalten und zu begründen.

Im Projekt H3 wurden im Hochschulverbund Blended Learning Studiengänge Soziale Arbeit (Basa online/maps) in ausgewählten Präsenz- und Online-Modulen mehrere digital gestützte innovative Formate erprobt, mit dem Ziel, den Lehr-/Lernerfolg zu steigern. Dabei handelt es sich um onlinebasierte Unterstützungssysteme für Studierende und Lehrende, die einerseits z.B. individualisierte und flexible Lern- und Kommunikationspfade anbieten (z.B. virtuelle Lernräume), andererseits Techniken für hybride Übungssettings entwickeln (z.B. VR-Technologie).

Im Rahmen einer H3-Wirksamkeitsanalyse sind wir auf die Frage gestoßen, worauf es im Studium der Sozialen Arbeit im Kontext von Digitalität wirklich ankommt. Im Workshop möchten wir diese Frage aufgreifen und gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutieren. Zunächst werden wir in einem kurzen Impuls (10 min) in unser Projekt, das Forschungsdesign und ausgewählte Ergebnisse einführen und dann in zwei Gruppen (30 min) folgenden Fragen nachgehen: 1. Welche digitalen Strukturen sollte das Studium der Sozialen Arbeit bieten? 2. Welche digitalen Themen braucht das Curriculum im Studium der Sozialen Arbeit? Abschließend werden beide Themen im Plenum vorgestellt und diskutiert (20 min).

Dominik Tschopp (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)

Mittlerweile gibt es eine Fülle an Studien zu Virtual Reality (VR) in der Suchttherapie, die in systematischen Reviews zusammengefasst sind (Trahan et al. 2019, Segawa et al. 2020, Langener et al. 2021). Auffallend dabei ist, dass viele Studien in stationären Kontexten unter Laborbedingungen durchgeführt werden. Mehrheitlich weisen diese auf positive Effekte von VR im stationären Bereich hin. Es besteht jedoch ein Mangel an aussagekräftigen Studien zur Anwendung und Wirkung von VR in ambulanten Kontexten (vgl. Trahan et al. 2019). Weiter ist hervorzuheben, dass die Perspektive der Klient:innen in den Studien weniger in den Vordergrund gerückt wird (vgl. Tekin 2020).

In einem aktuellen Projekt («VRiSA – Virtual Reality in der Sozialen Arbeit») gehen wir diesen Desideraten nach. Gemeinsam mit Fachpersonen aus einer ambulanten Suchtberatungsstelle sowie Klient:innen dieser Beratungsorganisation entwickeln wir prototypisch eine VR-Anwendung auf Basis von 360-Grad-Videos. Wir möchten damit den potenziellen Nutzen von immersiven Technologien für die ambulante Suchtberatung explorieren. Bei der Vorgehensweise orientieren wir uns am Value Sensitive Design (VSD). VSD bezieht sich auf ein Forschungsgebiet, das sich mit der Einschreibung von Werten in Technologien auseinandersetzt. Vertreter:innen dieses Ansatzes haben konkrete Methoden für das Design und die Entwicklung von technologischen Artefakten entwickelt. Diese beziehen die Werte von Anspruchsgruppen, welche von diesen Technologien betroffen sind, in den Entwicklungsprozess mit ein (Friedman & Hendry 2019).

Im Workshop soll sowohl schwerpunktmässig das Vorgehen mittels Value Sensitive Design als auch die ersten Erfahrungen in der Erprobung der prototypischen Virtual Reality-Anwendung thematisiert, reflektiert und gemeinsam mit den Teilnehmenden diskutiert werden. Dies soll sowohl aus Forschungsperspektive als auch aus dem Blickwinkel der beteiligten Praxisorganisation geschehen.

Carolyn Lippert, Carina Mothes (Institut für E-Beratung – Technische Hochschule Nürnberg)

Die Digitalität ist in allen Bereichen des Lebens angekommen. Hierbei ist die Künstliche Intelligenz (KI) in aller Munde, allen voran durch Tools wie beispielsweise ChatGPT oder DALL-E. Durch den Einsatz von KI, im Speziellen Chatbots, ergeben sich neben den viel diskutierten negativen Aspekten, auch Chancen für die Zukunft der Sozialen Arbeit und die Lehre.

Insbesondere die Ausbildung zur/zum psychosozialen Onlineberater:in stellt erste wichtige Weichen für eine spätere gelingende Onlineberatung mit Ratsuchenden. Wie können also Lernende auf ihrem Weg zu gut ausgebildeten Onlineberater:innen durch KI effizient unterstützt werden? Das Institut für E-Beratung arbeitet an einer Lösung: im Projekt «Virtueller Klient (ViKl)» wird ein KI-basierter Chatbot entwickelt, welcher Klient:innen mit unterschiedlichen Problemlagen aus der Sucht- und Familienberatung simulieren kann. Ziel ist es, Studierenden Chatberatung näherzubringen und es ihnen zu ermöglichen, kreativ im digitalen Beratungsgespräch zu experimentieren, erste Erfahrungen mit Ratsuchenden zu sammeln und eine beraterische Haltung zu entwickeln. Durch die Modellierung einer ratsuchenden Person bietet sich somit die Chance, die methodische Ausbildung der Studierenden durch KI zu unterstützen.

Im geplanten Workshop erhalten die Teilnehmer:innen spannende Einblicke in das Projekt, wobei hier das didaktische Konzept, die Plattform und die Evaluationsergebnisse zur Akzeptanz der Studierenden die Schwerpunkte bilden. Danach können die Teilnehmenden mit dem Virtuellen Klienten interagieren. Im zweiten Teil des Workshops wollen wir uns exemplarisch mit verschiedenen Thematiken auseinandersetzen und diskutieren, in welchem Maß und wo weitere KIs, bspw. in Form eines Chatbots, gut in das Studium der Sozialen integriert werden können sowie sollen gemeinsam die Chancen, Risiken und Herausforderungen für etwaige andere Einsatzfelder in der Lehre oder auch Berufspraxis erörtert werden.

Mélissa Monnier

Dans le cadre d’un projet de développement de Stratégie numérique institutionnelle, Mélissa Monnier propose une approche réfléchie et inclusive pour appréhender les enjeux numériques au sein d’une institution sociale. En s’appuyant sur les théories des fractures numériques et sur les modèles d’accompagnement avec, dans et au numérique de François Sorin, elle propose un cadre conceptuel pour une réflexion collective sur les défis institutionnels liés au numérique.

Le numérique en institution se décline principalement sur trois plans. Comme pour les niveaux de fracture numérique, il s’agit de considérer d’abord le plan matériel et des infrastructures : quels outils physiques et quels parc applicatif sont à disposition ? Le deuxième plan à observer touche à l’usage quotidien du numérique, soit l’informatique et la bureautique : comment les membres de l’institution interagissent-ils avec les outils numériques au quotidien ? Quels sont les moyens à leur disposition pour maîtriser ces outils ? Enfin, il est primordial d’évaluer la contribution réelle du numérique aux missions fondamentales de l’institution : dans quelle mesure le numérique facilite-t-il ou entrave-t-il la réalisation de ces missions ? Est-il en adéquation avec les valeurs et les objectifs du travail social ? L’objectif de ce workshop sera de contribuer ensemble à un modèle qui s’adapte aux enjeux du travail social et qui puisse être décliné pour les différentes structures actrices de l’action sociale.

Postersession

Carina Bhatti (Hochschule Düsseldorf)

Innerhalb meines Promotionsprojektes beschäftige ich mich mit dem (Nicht-)Nutzen von Angeboten in der offenen Altenhilfe, in deren Fokus digitale Medien stehen. Hierzu habe ich Interviews geführt und bin aktuell in der ersten Phase meiner Auswertung, wobei ich kategorienbasiert nach der Grounded Theorie auswerte. In meinem Posterbeitrag möchte ich mein Forschungsanliegen sowie meinen bisherigen bzw. weiteren Forschungsprozess erläutern.

Mein Forschungsanliegen: Digitale Medien sind Bestandteil unserer Gesellschaft, etwas, das auch älter Personen betrifft. Nach Auffassung von Nock et al. (2020) sind unterschiedliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auch für diesen Personenkreis nur mit einer sog. vorhandenen Medienkompetenz nutzbar (z.B. bei der Kommunikation mit Behörden, der Familie, dem Kaufen von Tickets). Auch der 8. Altenbericht fasst zusammen, dass „[d]ie rasante technische (Weiter-)Entwicklung […] großen Einfluss auf das Leben älterer Menschen [hat]. Vielfach bedeutet sie nicht weniger als einen echten Kulturwandel im Alltag, vergleichbar dem der Industrialisierung im 19. Jahrhundert“ (BMFSFJ 2020).

Insgesamt zeigt sich anschließend an diese Entwicklungen auch für die offene Altenhilfe, dass sich hier vermehrt Angebote finden, in deren Fokus digitale Medien stehen (siehe z.B. www.wissensdurstig.de).

Aus dieser Beobachtung heraus stellt sich die Frage, wie die Perspektive der Teilnehmenden aussieht, welchen Nutzen ziehen sie für sich und ihre Alltagswelt aus den Angeboten und welchen nicht. Ebenfalls von Interesse ist, wie diese Zielgruppe eine durch Digitalität geprägte Alltagswelt für sich wahrnimmt bzw. sich mit dieser auseinandersetzt.

Elias Brandenberg (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Dept. Soziale Arbeit)

Jugendliche sind in ihrer Freizeitgestaltung auf leicht zugängliche Erfahrungs-, Rückzugs- und Freiräume angewiesen. Heute müssen virtuelle Räume als feste Bestandteile jugendlicher Sozialräume verstanden werden (Schwerthelm, 2021). Mobile Geräte dienen als Schnittstelle zwischen virtuellen und physischen Räumen, wobei eine ständige Gleichzeitigkeit der Nutzung und Platzierung stattfindet. Die Offene Jugendarbeit bewegt sich oft nur am Rande in dieser Verflechtung (Mayrhofer & Neuburg, 2019). Virtuelle Räume werden häufig negativ als Parallelwelt oder Gefahrenraum diffamiert und die entsprechenden Erfahrungen nicht als Teil jugendlicher Realitäten anerkannt. Daher ist eine Erweiterung des Sozialraumverständnis, das sich an den Lebensrealitäten heutiger Jugendlicher orientiert, auch in diesem Handlungsfeld unumgänglich.

Das durch den NFP 80 finanzierte Forschungsprojekt «Jugend und Raum» untersucht die Nutzung virtueller und physischer Räume durch Jugendliche. Im Rahmen meiner Dissertation verfolge ich ergänzend das Ziel, Hinweise für eine bedarfsgerechte sozialraumorientierte Offenen Jugendarbeit zu erarbeiten. Zum Zeitpunkt des Kongresses wird die erste Runde der qualitativen Erhebung mit Jugendlichen (u.a. Gruppenworkshops, Sozialraumbegehungen) sowie der Expert:inneninterviews mit Fachpersonen der Offenen Jugendarbeit abgeschlossen sein und erste Ergebnisse können präsentiert werden.

Dominik Eberle (Stadt Wien, Kinder und Jugendanwaltschaft Wien)

Mit der pandemiebedingten Kluft zwischen Adressat:innen und Teilen der öffentlichen Verwaltung werden neue Möglichkeiten gesucht, um mit der Zielgruppe in Interaktion zu treten.  Die Flucht nach vorne stellte für viele Anbieter:innen das Nutzen von Social Media dar. Doch am digitalen Markt der Aufmerksamkeitsökonomie konkurrierten sie mit milliardenschweren Unternehmen um die Views, Klicks und Interaktionen der Adressat:innen. Die Ernüchterung war vielerorts groß, als aufwändig produzierter Content nicht viral ging und kaum die eigene (Professionist:innen-)Bubble verließ. 

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien (eine weisungsfreie Ombudsstelle für Kinderrechte der Stadt Wien) sieht sich mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert und versucht mit dem Innovationsprojekt „Frag doch einfach die Kinder“ einen anderen Weg zu gehen: Mit Adressat:innen der Angebote wird gemeinsam ein digitales Werkzeug entwickelt, welches Kindern und Jugendlichen Einblicke und Gestaltungsmöglichkeiten für die Praxis der Ombudsstelle bieten soll. Im Projekt sollen mittels On- und Offline-Inhalten unter anderem die Möglichkeiten und Grenzen digitaler Partizipation mit den Adressat:innen gemeinsam ausgelotet werden. Diese Auseinandersetzung mit den Adressat:innen entlang der Möglichkeit der Verwaltung ist essenziell, wenn digitaler Humanismus im Sinne einer sozialarbeiterischen Lesart als empowerndes Bindeglied zwischen Individuum und fortschreitender Digitalisierung öffentlicher Stellen verstanden werden soll.

Der Posterbeitrag soll auf der einen Seite die Grundidee des Partizipationsprojekts sowie dessen aktuellen Stand darstellen. Auf der anderen Seite sollen bereits erprobte Lösungen für eine gelingende Praxis, aber auch bestehende Hürden aufgezeigt werden und zu fachlichem Austausch und gemeinsamer Reflexion anregen.

Andrea Hahn (Fachhochschule Kiel)

Der Einsatz von KI-basierten Chatbots zur Förderung digitaler Kompetenzen im Studium der Sozialen Arbeit wird zunehmend relevant. Wie Kaminsky (2021) feststellt, steht die Soziale Arbeit durch die digitale Transformation unter stetigem „Digitalisierungsdruck“. Lern- und Bildungsprozesse sowie Wissensarbeit werden sich durch maschinelles Lernen verändern (vgl. Ehlers 2023). Entsprechend sind Hochschulen in der Pflicht, curriculare Anpassungen ihrer Studiengänge vorzunehmen (vgl. Kaminsky 2021).

Seit der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 ergeben sich neue Fragestellungen, die auch im Studium der Sozialen Arbeit Berücksichtigung finden müssen. Relevant ist die Entwicklung und Anwendung personalisierter Chatbots, die mittels Künstlicher Intelligenz funktionieren. Tools wie ChatGPT, POE oder GPTBuilder verändern die Art und Weise, wie Menschen mit Maschinen interagieren. Es ist von Bedeutung, deren Chancen, Herausforderungen und Limitationen auch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht zu beleuchten.

Im Rahmen einer Forschungsarbeit wird untersucht, inwiefern KI-basierte Chatbots im Studium der Sozialen Arbeit eingesetzt werden können, um die digitalen Kompetenzen von Studierenden zu fördern. Dazu wird ein didaktisches Konzept entwickelt und erprobt, das Studierende befähigt, eigene personalisierte KI-basierte Chatbots zur Unterstützung ihrer Lernprozesse zu konzipieren, ohne dass spezielle Programmierkenntnisse benötigt werden. Ein zentraler Aspekt dieses Vorhabens ist es, Studierende in die Lage zu versetzen, das erworbene Wissen in ihrer zukünftigen sozialarbeiterischen Praxis anzuwenden. Dies soll die Teilhabe und Handlungsmöglichkeiten der Adressat:innen in technologisierten Gesellschaften unterstützen und erweitern.

Christiane Hüseman (Hochschule RheinMein)

Einhergehend mit Prozessen der digitalen Transformation verändern sich auch die Sozialräume und Aneignungsweisen von Kindern und Jugendlichen. Besonders digitale Medien und virtuelle Räume gewinnen zunehmend an Bedeutung für Bildungs- und Sozialisationsprozesse junger Menschen. Sowohl in politischen Diskussionen als auch bisherigen Forschungen wird der Fokus häufig auf den Erwerb von Medienkompetenzen im Sinne einer gewissen Verwertungsorientierung für Schule und Gesellschaft gelegt. Die Perspektive Kinder und Jugendlicher selbst sowie deren lebensweltlichen Kontexte werden dabei häufig vernachlässigt.

Aus einer aneignungstheoretischen Perspektive heraus erforsche ich im Rahmen meines Promotionsvorhabens digitale Handlungspraxen von Kindern und Jugendlichen bei der Aneignung einer virtuell-digitalen Plattform. Anhand von Beobachtungen und Gruppengesprächen ist die Rekonstruktion von Aneignungs- und Bildungsprozessen Ziel des Vorhabens. Dies erfolgt am Beispiel eines Praxisprojektes (Grendel et al. i.E.). Langfristig wird ein Praxistransfer zur Entwicklung digitaler Angebote in der Schulsozialarbeit und Jugendarbeit angestrebt. 

Ausgehend von meiner Promotion (Promotionszentrum Soziale Arbeit, HAW Hessen) präsentiere ich mit meinem wissenschaftlichen Poster mein Forschungsvorhaben.

Maja Michel (Universität Trier)

Alltagsdokumentation auf Sozialen Medien erfreut sich großer Beliebtheit, blickt man auf Instagram, Facebook und Co. Eine spezielle Form des Teilens alltäglicher Familienszenen ist das sog. Sharenting (Alig, 2021; Kutscher, 2021, 2022). Sharenting bildet einen Zusammenschluss aus den Worten ‚share‘ und ‚parenting‘ (Oxford English Dictionary, 2022), was mit geteilter Elternschaft übersetzt werden kann (Alig, 2021). Dabei geht es um das Teilverhalten von Eltern, die sich und ihre Kinder zum Inhalt von Social Media Posts in Form von z.B. Fotos oder Videos machen, was als Verstoß gegen die kindliche Privatsphäre erachtet wird (Brosch, 2018). Sharenting wird im wissenschaftlichen Diskurs vordergründig negativ diskutiert, verschiedene Beiträge und Studien weisen bspw. auf Rechtsverletzungen kindlicher Teilhabe wie die Verletzung des Rechts am eigenen Bild (z.B. Alig, 2021; Langer & Schulz, 2021) und das fehlende Einverständnis der Kinder zur Veröffentlichung (z.B. Garmendia et al., 2022; Kutscher, 2021) hin. Einige Studien deuten daneben auf positive Effekte der Praktik wie z.B. Rückhalt und Feedback hin (z.B. Kumar & Schoenebeck, 2015), diese werden jedoch nur randständig diskutiert. Im Vordergrund bleibt die bewahrpädagogische Annahme, Kinder müssten vor den Gefahren des Sharenting geschützt werden. Kinder werden bspw. nicht nach ihrer Zustimmung gefragt, obwohl sie dagegen sind, was eine Verletzung des Rechts auf Teilhabe darstellt. Im Diskurs wird jedoch verkannt, wie der Umgang mit Kindern stattfindet, die sich für eine Veröffentlichung ihrer Fotos o.ä. aussprechen, da die Teilhabe sowohl eine Ablehnung als auch eine Zustimmung einschließt. Darüber hinaus gibt es kaum Studien, die sich mit der Praktik als doing family auseinandersetzen (z.B. Kutscher & Bouillon, 2018). Hieran knüpfen erste Ergebnisse einer laufenden Dissertation, die sich u.a. aus narrativen Eltern-Interviews und deren Auswertung mit der GTM ergeben. Diese sollen als Poster dargestellt werden.

Geneviève Piérart (Haute école de travail social Fribourg, HES-SO)

Le projet ID-Tech est un projet Innosuisse mené en collaboration par la HEIA-FR et la HETS-FR de 2021 à 2022. Le but de ce projet est de proposer un outil d’apprentissage en réalité virtuelle (RV) à destination des personnes avec déficience intellectuelle (DI) pour les rendre plus autonomes dans des tâches quotidiennes. Pour ce projet, il s’agit des déplacements dans l’espace public et l’utilisation des transports en commun.

Les personnes présentant une déficience intellectuelle doivent s’entraîner régulièrement à effectuer plusieurs tâches de la vie quotidienne complexes tout en étant accompagnées d’un·e ou plusieurs encadrant·es. L’utilisation de la RV permet de simuler ces situations d’apprentissage qui seraient difficiles à mettre en place ou à reproduire systématiquement dans le monde réel.

Ce projet résulte du développement d’un simulateur en RV conçu avec l’aide d’enseignant·es spécialisé·es et/ou d’éducateur·rices sociaux·ales. Les principaux exercices sont :

  1. Marcher sur le trottoir et traverser aux passages piétons,
  2. Prendre un ou plusieurs bus et descendre aux bons arrêts,
  3. Prendre le bon train à la gare et descendre au bon arrêt.

La simulation propose aussi de gérer les interactions sociales grâce à l’utilisation d’avatars dans ces scénarios. Chaque scénario est personnalisé en fonction des objectifs d’apprentissage des élèves.

Une étude a été menée auprès de 18 élèves répartis dans 5 institutions de Suisse romande. Chaque élève réalisait 3 exercices (entre 5 et 10 min) toutes les 2 semaines de novembre 2021 à mai 2022. Des post-tests ont aussi été réalisés après un mois en juin 2022 auprès de 11 jeunes.

Au terme du projet, 4 jeunes sont totalement autonomes dans leurs déplacements (2 jeunes effectuant des déplacements à pied et 2 jeunes se déplaçant en transports publics). D’autres jeunes sont devenus partiellement autonomes.

Dr. Natalie Zambrino (Hochschule Luzern – Soziale Arbeit)

Im Rahmen eines geplanten Projektes soll die Website HEVE-Portal konzipiert, realisiert und evaluiert werden. Diese Website bietet niedrigschwellig zugänglich, zentral gebündelt und kostenfrei Informationen für einen gelingenden Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen (HEVE) von Erwachsenen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Unter HEVE werden vielfältige Verhaltensweisen, wie Fremd-/Selbstverletzungen oder Sachbeschädigungen verstanden, die verschiedene Personengruppen in ihrem (Arbeits-)Alltag vor Herausforderungen stellen und belasten können.

Als Kooperationsprojekt zwischen der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit und der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz bietet die Website einen Zugang zu Informationen für ein breites Publikum an, darunter beispielsweise Mitarbeitende im Behindertenbereich, Angehörige sowie allgemein am Thema Interessierte. Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, die selbst HEVE zeigen oder mit dem Thema HEVE in Berührung kommen, soll ein eigener Zugang in Leichter Sprache und mit einer vereinfachten Oberfläche erarbeitet werden. Die Inhalte der Website stützen auf das von den Autor:innen in langjähriger Praxistätigkeit und in verschiedenen themenspezifischen Forschungsprojekten erworbene Fachwissen ab. Angedacht ist eine Gliederung in unterschiedliche Module, darunter ein HEVE-Wiki mit aktuellem Hintergrundwissen, eine Tool Box mit Instrumenten für einen gelingenden Umgang und ein niedrigschwelliges Kontakt- bzw. Beratungsangebot durch die Autor:innen, um spezifische Einzelfälle im Gespräch oder via Chatbot mit der nötigen Individualität beleuchten zu können. Realisiert mit einer:m passenden Partner:in, der:die über das nötige technische Knowhow verfügt und im Anschluss evaluiert, soll dieses im deutschsprachigen Raum neuartige Angebot langfristig zu einem Mehr an Lebensqualität sowohl für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen als auch für die sie begleitenden Personen beitragen.

Prof. Michael Doerk (Hochschule Luzern)

Das SNF-Forschungsprojekt VA-PEPR ermöglichte einen Eindruck vom allgemeinen Wissen und dem Bewusstsein über und von der Nutzung von VA (Voice- und Virtueller Assistenz) in der Schweiz. Die darin eingebettete rcc-Studie untersuchte eine jüngere Altersgruppe aus dem akademischen Umfeld und gab einen Einblick in die Einstellungen, Verhaltensweisen und Routinen von rund 400 Studierenden aus sechs Fachgebieten, die ein interdisziplinäres Modul zur Förderung von Ressourcenmanagement, Prävention und Gesundheitsförderung besuchten. Auf Basis der Erkenntnisse wurde im Verlauf von 2023 eine KI-gestützte Assistenz implementiert, die es ermöglicht, sich per Stimme und Tastatur in diversen Sprachen – auch Schweizerdeutsch – und weitestgehend anonymisiert coachen zu lassen, ohne dass OpenAI, Google, etc. personenbezogene Informationen wie die IP, persönliche Suchverläufe o.ä.  erhält. Das Poster bildet kompakt die Datenerhebung und die Ergebnisse der in das SNF-Forschungsprojekt VA-PEPR eingebetteten rcc-Studie ab. Weiterhin sind das Konzept der KI-gestützten, virtuelle Assistenz und das «rcc-protection-data-system» dargestellt.

Gabriel Meisel (jugendarbeit.digital)

Im Posterbeitrag wird auf das vom Verein Haeschziit initiiert und in Zusammenarbeit mit Jugendarbeit.digital sowie Pro Mente Sana umgesetzte Projekt «handicaps@work» eingegangen. «handicaps@work» ist ein kollaboratives Medienprojekt, welches zum Ziel hat, die Schwierigkeit junger Menschen mit einer Beeinträchtigung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt aufzuzeigen und innovative Ansätze von Schweizer Unternehmen zugänglich zu machen. Zusammen mit fünf jungen Menschen im Alter von 21-28 Jahren (Ipek, Mael, Milena, Jens & Ellen), welche alle mit einer psychischen oder physischen Beeinträchtigung leben, wurde im Zeitraum von August 2022 bis Dezember 2023 eine Social Media Kampagne/Web Reportage konzipiert und umgesetzt. Hierfür wurden im Dialog mit dem Soziokulturellen Animator und Filmemacher Gabriel Meisel Inhalt und Dramaturgie erarbeitet. Zudem wurden die jungen Menschen in der Handhabung von Videotechnik geschult, um einzelne Elemente der Reportage selbst zu produzieren.

Das Poster wird mittels QR-Codes oder zur Verfügung gestellten IPads folgende Bereiche thematisieren:

  • Output der Kampagne: Website sowie Social Media Channels werden zugänglich gemacht
  • Essayvideo Prozessreflektion: Was bedeutet kollaboratives Arbeiten in diesem Projekt? Wie wurde mit Hilfe von digitalen Tools und Medien die Kampagne umgesetzt?
  • Kurzer Text, der das Projekt zusammenfasst sowie die Grundaussagen des Essayvideos wiedergibt sowie auf die Fragestellung eingeht: Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Adressat:innen, Professionellen und Organisationen Sozialer Arbeit in der Digitalität neu oder um? Welche Herausforderungen und Chancen zeigen sich dabei in unterschiedlichen Handlungsfeldern? Welche Aufgabe kommt der Berufsethik in der Digitalität Sozialer Arbeit zu?

Die Initiative MEKiS – Medienkompetenz in der Sozialen Arbeit – ist aus dem Projekt «Medienkompetenz in der stationären Kinder- und Jugendhilfe» hervorgegangen. Die Instrumente, rechtlichen und konzeptionellen Grundlagen können in allen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit eingesetzt werden.

MEKiS stellt Grundlagen für die Etablierung einer fachlich fundierten Medienerziehung und medienpädagogischen Begleitung von Kindern und Jugendlichen sowie erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigungen in den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit und dem Berufsfeld der Aktivierung bereit.

MEKiS wird durch eine Kooperation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW und der Höheren Fachschulen Kompetenz, Bildung Bern und medi Zentrum für medizinische Bildung getragen. Es besteht zudem eine Kooperation mit dem Dachverband CURAVIVA Schweiz. Im Weiteren besteht eine Zusammenarbeit mit der Haute Ecole Spécialisée de Suisse occidentale HES-SO sowie der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana SUPSI.

Hands-on rund um Digitalität in der Sozialen Arbeit

In zwei Räumen können Sie digitale Technologien hautnah erleben. Treten Sie in Kontakt mit Sozialen Robotern, probieren Sie eine KI-gestützte Assistenz zur Gesundheitsförderung aus oder machen Sie in Virtual Reality Erfahrungen in Beratungsszenarien.

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